D I E C K M A N N – B U T T E R H O L Z
Geografie:
Das
111,7574 ha große Landgut Butterholz lag im äußersten Nordosten
der Uckermark, nahe der Kleinstadt Brüssow und unweit der
vorpommerschen Grenze in Richtung Stettin, gehörte zum früheren
Landkreis Prenzlau, heute Landkreis „Uckermark (UM)“ genannt. Das
Gut war sogar mit eigener Bahnstation (Haltepunkt) an das Kleinbahnstreckennetz
Prenzlau – Löcknitz angeschlossen; von dort bestand eine ideale Verbindung nach
Stettin.
Geschichte:
Angaben
über die Vergangenheit von Butterholz, wo erst in der dritten
„Dieckmann-Butterholz-Generation“ deren Wiege stand, wurden bisher leider nur spärlich bekannt. Zuerst
soll
Friedrich Fink (Erbauer 1848?) auf Butterholz gewesen sein. Bevor Wilhelm
Dieckmann sen. das Gut erwarb (1908), hatte es für kurze Zeit
Wilhelm Eduard Beckmann (1837-1892) gepachtet oder besessen (Vater von Johanna
Beckmann, die dort 1868 geboren wurde und als Silhouettenmalerin bei der
Königlichen Porzellanmanufaktur, KPM, in Berlin arbeitete).
Im Jahre 1908 kaufte der Landwirt Wilhelm Dieckmann (1863-1933) aus Altenrode/Darlingerode (Harz) das Landgut Butterholz bei Brüssow, Kreis Prenzlau/Uckermark, Reg.-Bezirk Potsdam, Provinz Mark Brandenburg.

Butterholz bei Brüssow 1909
mit Familie Wilhelm Dieckmann
( Senior 2. von rechts)
Bereits ab 1890 hatte er als Amtmann und Domänenpächter die Domäne Altenrode (heute OT von Darlingerode) des Fürsten Otto von Stolberg - Wernigerode (Stellvertreter Bismarcks) bis zum Jahr 1908 geführt, ehe er mit Ehefrau Anna (links oben am Fenster) und den drei Söhnen Otto (1897-1979), Wilhelm (1901-1945) und August (1907-1945) in die Uckermark kam. Hier nahm er 1909 die Bewirtschaftung von Butterholz auf, eines wieder aufzubauenden Gutshofes. Er war auf Grund seiner Karriere – Praxis und Studium der Landwirtschaft an den Universitäten Halle/Saale und Berlin – dazu prädestiniert; neben Ackerbau galt seine besondere Vorliebe der Schaf-zucht, einer Tradition des Harzvorlandes. Unter der Regie von Wilhelm Dieckmann sen. entwickelte sich Butterholz zunehmend. In Brüssow wurde er Stadtverordneter und Mitglied des Magistrats bis 1929.
Seit dem Tode von Wilhelm Dieckmann sen. im Jahre 1933 übernahm dessen
Sohn Wilhelm Dieckmann, der auf landwirtschaftlichen Gütern in Sachsen volontierte und in München Landwirtschaft studierte, den väterlichen Betrieb, den er weiter verbesserte. Von Berlin aus leitete er als Verbandspräsident den Brandenburgischen Provinzialverband ländlicher Genossenschaften - Raiffeisen e.V. - mit großer Tatkraft, Umsicht und Erfolg.

Nach dessen Tod Ende April 1945 wurde der Gutshof vier Monate später im September von deutschen Kommunisten bzw. Personen, die sich dafür hielten, „zwangsenteignet“, d. h. die Witwe wurde mit sechs kleinen Kindern des Hauses, des Hofes und des Heimatkreises verwiesen. Dabei ging auch das gesamte persönliche Hab und Gut verloren. In der Provinz Mark Brandenburg wurden auch durch Verordnung mit nichtrechtskräftigem Tatbestand vom 6. September 1945 sämtliche Bauernhöfe über 100 ha per „demokratische Bodenreform enteignet“, und zwar mit „allen Bauten, lebendem und toten Inventar und anderem landwirtschaftlichen Vermögen“. So wurde die vaterlose Familie zuerst von Kommunisten, dann aber auch von „Demokraten“ gedemütigt und wie Verbrecher behandelt.

Familie Wilhelm Dieckmann
jr., Butterholz Frühjahr 1942
Der Gutsbesitzer Wilhelm Dieckmann jr. (1901-1945) wurde 1997 posthum von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation in Moskau voll rehabilitiert. Die Regierung Kohl / Schäuble eines „demokratischen Rechts-staates“ sanktionierte zuvor am 30. Januar 1991 im Bundestag mit einer von Kanzler Kohl als Parlamentslüge vorgetragenen „Erklärung“ (*Zitat:„..Der Fortbestand der Maßnahmen zwischen 1945 und 1949 wurde von der Sowjetunion zu einer Bedingung für die Wiedervereinigung gemacht. Ich sage klar: die Einheit Deutschlands durfte an dieser Frage nicht scheitern.“) die kriminellen Akte der Kommunisten: das sei die „von den Russen für eine deutsche Wiedervereinigung gestellte Bedingung“ gewesen, die unzähligen Betroffenen - wie auch in diesem Fall - vorgegaukelt wurde. Die auf Butterholz zwischen 1936 und 1944 als erste Generation geborenen Söhne (siehe Fotos: 1942 oben und 2006 unten), die 1945 als unschuldige Kinder aus ihrer Heimat vertrieben wurden bzw. zu Tode kamen, bewährten sich dennoch nach ihrer vor über 50 Jahren im freien Deutschland begonnenen Ausbildung als Landwirte, Tierärzte, Staatsbeamte sowie Industriemanager und erhielten zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland.
Lit.-Verzeichnis: *Zitat aus „Macht
und Eigentum“ (Die Enteignungen
1945-1949...), Constanze Pfaffrath,
Habilitationsschrift 2004, Böhlau Verlag Köln, ISBN 3-412-1803-X

Vier der in Butterholz 1936-1941 geborenen Dieckmann-Söhne
(3. Familiengeneration
Dieckmann-Butterholz: Foto 2006)

Butterholz
heute: Sicht aus 588 m Höhe (Google: 2007)

Butterholz im Mai 2008
Im Jahre 2009 wird das in der Nähe gelegene, urkundlich erstmals im Jahr 1259 erwähnte Kleinstädtchen Brüssow, wo einst von 1935 bis 1945 auch der preußische Generalfeldmarschall August von Mackensen einen 1231 ha großen Erbhof besaß und Albrecht Schönherr, Altbischof der Ev. Kirche von Berlin-Brandenburg (1972-1981), seine erste Pfarrstelle einnahm, sein 750-jähriges Jubiläum begehen. Auch die Familie Dieckmann hätte unter „normalen Bedingungen“ auf Butterholz - heute ein Ortsteil von Brüssow - sogar zeitgleich ihr 100-jähriges Betriebsfest mit ihren fleißigen, treuen und dankbaren Mitarbeitern, z. B. den Familien Knoll, Schlüßler, Sewitza, Kleist, Judisch, Mittelstädt u. a. sowie dem Hauspersonal gefeiert. 30.12.2008